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Imker im Jahreskreis: Jänner

Dieser Monat, der noch zu den Wintermonaten gehört, ist für das Bienenvolk ein Ruhemonat. Wenn man als Anfänger seine Völker mit einem Benzinschlauch, den man an einem Ende in das Flugloch schiebt und am anderen Ende ins Ohr steckt, abhört, erschrickt man oft, weil plötzlich ein Volk braust. Verdacht auf Weisellosigkeit kommt auf, denn das kann man in jedem guten Fachbuch nachlesen. Hört man dieses Volk ein paar Tage später wieder ab, ist es wieder ruhig. Die Ursache hierfür liegt einfach darin, dass die Völker in der Ruhephase nicht laufend kleine Mengen an Futter aufnehmen, sondern Fress- und Ruhezeiten haben.

Das von den Bienen verarbeitete und eingelagerte Winterfutter muss mindestens auf 20 % Wasser eingedickt werden, um nicht in Gärung überzugehen. Dieses zähe Futter können die Bienen aber im Winter nicht aufnehmen, und so lockert sich die Traube in den Fresszeiten, um Futter aufzunehmen und für die nächste Fressperiode einen Streifen des gedeckelten Futters freizulegen. Nach dem Zusammenziehen zur Ruhetraube kommt nun dieser entdeckelte Streifen zwischen der warmen Wintertraube und der kalten Stockluft zu liegen. Es entsteht ein Niederschlag. Da der Honig wasseranziehend ist, verdünnt sich nun die Oberfläche des entdeckelten Streifens auf ca. 40 % Wassergehalt und kann nun von den Bienen bei der nächsten Fressperiode aufgenommen werden.

Diese Erkenntnis hilft uns bei der Frage, wie man den Völkern helfen kann, wenn man feststellt, dass ein Volk im Januar keine Vorräte mehr hat. Niemals eine volle gedeckelte Futterwabe an den Bienensitz hängen, damit können die Bienen nichts anfangen; sondern immer einen Teil der Futterwabe beidseitig entdeckeln, mit warmen Wasser ansprühen und so mitten ins Volk hängen, dass die Wintertraube auf dem entdeckelten und angesprühten Teil zu sitzen kommt. Ist schon Brut vorhanden, so nimmt man eine Futterwabe und entdeckelt sie nur auf einer Seite, besprüht sie ebenfalls mit warmen Wasser und hängt sie nun so ein, dass die entdeckelte Seite an die letzte Brutfläche anschließt. Was tun, wenn keine Futterwabe zur Verfügung steht und die Bienen schon so matt sind, dass sie nur noch mit den Flügeln zittern. Hier hilft nur noch ein Ansprühen mit warmen Honig- oder Zuckerwasser, damit erst einmal Wärme in das Volk kommt. Wenn sich die Bienen soweit erholt haben, daß sie wieder voll bewegungsfähig sind, wird von oben in kleinen Portionen mit warmem Futter weitergefüttert. Ist ein Volk in so einem jämmerlichen Zustand, nimmt es auch bei Kältegraden das Futter ab; es hat seine Ruhephase aufgegeben und unternimmt nun die größten Anstrengungen, um zu überleben. Erfahrene Imker schreiben so ein Volk ab und überlassen es seinem Schicksal, da es im folgenden Jahr keine optimale Ernte bringt. Solche Eingriffe zur Unzeit bedeuten für ein Volk eine Stresssituation, die mit einem Bruteinschlag begleitet wird, zu noch mehr Futteraufnahme veranlaßt und dann im Frühjahr mit Ruhrerscheinung endet. Durch unsere Versuche haben wir feststellen können, dass auch nach Perizinbehandlungen Eigelege zu finden waren, die aber wieder aufgezehrt wurden. Auch hier hat sich eine Stresssituation bemerkbar gemacht, die jedoch von den Völkern ohne Schaden verkraftet wird.

Wie wichtig die Winterruhe für die Völker ist, beweisen meine Erfahrungen mit Überwinterungen im Fichtelgebirge mit ruhigen kalten Wintern und im Föhngebiet München - Freising. Konnte ich im Fichtelgebirge Reserveableger auf drei Waben einwandfrei überwintern, so ist das im Föhngebiet nicht möglich. Die großen Temperaturschwankungen während der Winterruhe bedeuten für diese kleinen Ableger ein dauerndes Lockern und Zusammenziehen der Wintertraube. Dies bedeutet wiederum erhöhte Futteraufnahme und führt unweigerlich zu Ruhrerscheinungen. Deswegen kann man auch den immer wiederkehrenden Streit zwischen einfachwandigen und isolierten Beuten in Freiaufstellung aus der Sicht der Biene vergessen. Je ruhiger, daß heißt, je gleichmäßiger die umgebende Luft der Wintertraube ist, um so wohler fühlt sich das Volk in seiner Behausung. Die Biene ist ein Höhlenbrüter und kein Hohlraumbrüter. Eine Höhle ist fest mit Materie umschlossen. Hohe Temperaturschwankungen werden in einer Höhle gedämpft - die Spitzentemperaturen werden gebrochen. Wenn heute gesagt wird, die Biene konnte sich früher, als sie noch in hohlen Bäumen lebte, die Wandstärke auch nicht aussuchen, so mag er oberflächlich gesehen recht haben. Doch hat er von der Natur nichts gelernt. Diese Baumhöhlen waren in lebenden Bäumen von einer Rinde umgeben, unter dieser auch im Winter der Saftstrom zirkulierte - also bestens isoliert.

Die Fluglochgröße spielt dagegen im Winter überhaupt keine Rolle, die Wintertraube ist in sich geschlossen und durch die Hautbienen, die dachziegelartig übereinander sitzen, nach außen abgeschottet. Die Temperatur der Hautbienen wird auf + 10° C gehalten. Wird es kälter, so zieht sich die Traube enger zusammen. Dies geht aber nur bis zu einem bestimmten Grad, so daß bei einem weiteren Absinken der Temperatur der Kern der Traube aufgeheizt wird. Bei ansteigenden Temperaturen lockert sich die Traube wieder. Deshalb sollten die Völker nach einer Perizinbehandlung, bei der die natürliche Abdichtung zerstört wurde, sorgfältig abgedeckt werden, damit keine Zugluft entstehen kann. In einer Höhle entsteht ein sogenannter Luftstau, der das Eindringen von Wind und Temperaturspitzen verhindert. Versuchen Sie einmal, eine brennende Kerze in einer geschlossenen Beute durchs Flugloch auszublasen - es gelingt Ihnen nicht.

Ein Absichern der Fluglöcher mit einem Mäusegitter ist für Außenstände und Bienenhäusern in Waldnähe zu empfehlen. Nach meinen Erfahrungen wirken die oft empfohlenen niedrigen Fluglöcher von 7 mm Höhe geradezu als Spitzmausfallen. Spitzmäuse zwängen sich trotzdem durch, fressen sich an Bienenleichen satt und können nicht mehr raus. Durch die verursachte dauernde Ruhestörung verlassen immer mehr Bienen die Traube und erstarren, bis das Volk zugrunde geht. Läßt man die Fluglöcher größer, so können die Spitzmäuse ungehindert ein und aus und begnügen sich mit dem abgefallenen Totenfall.

Spitzmäuse sind Insektenfresser und gehen nicht an den Wabenbau. Zerschrotete Waben oder sogar Nestbauten stammen von Feldmäusen. Spitzmäuse stehen unter Naturschutz und dürfen nicht getötet werden.

Ausser den regelmäßigen Fluglochkontrollen sollte man im Januar die Völker in Ruhe lassen, auch wenn die Temperaturen soweit ansteigen, dass die Bienen aus den Fluglöchern gelockt werden. Nur bei Völkern, bei denen dann keine Biene fliegt, sollte auf Futter kontrolliert werden. Meist genügt das Abhorchen durch das Flugloch - hört man ein gleichmäßiges ruhiges Brummen, so ist das Volk in Ordnung - hört man dagegen nur ein leises Flügelzittern, so ist eine Nachschau angebracht. Lautere Geräusche stammen von Bienen, die sich in der Nähe des Flugloches aufhalten. Jetzt in den Wintermonaten sollten auch die Vorbereitungen für das kommende Jahr getroffen werden. Ein Blick in ein gutes Fachbuch oder ein nochmaliges Nachlesen der letzten Jahrgänge der Imkerzeitungen kann nicht schaden; denn wie sagte schon Berlepsch "lernt Theorie, sonst bleibt ihr Stümper ein Leben lang". Vielleicht findet man doch das eine oder andere, um es in seine Betriebsweise einzubauen.



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